Er hat an einer fortschreitenden neurologischen Erkrankung gelitten. Leber, Nieren...kein organisches Problem. Es gibt ein Alzheimer bei Katzen. Die Symptome hätten gepaßt, so haben wir es bei dieser Bezeichnung belassen. Die für eine genauere Definition der Erkrankung notwendigen Untersuchungen haben wir nicht durchführen lassen. Für Noah wären in seinem Alter weder die Fahrten, noch die nötige Narkose etc. zumutbar gewesen. Da auf Heilung sowieso keine Aussicht bestanden hätte, haben wir es vorgezogen, ihm die letzten Monate so schön und streßfrei wie möglich zu gestalten.

Es hat schleichend begonnen.Er stand immer wieder einmal einfach im Raum und wußte nicht, was er wollte, dazu - wie es schien - Schwäche in den Hinterbeinen. Wir haben aber alles immer wieder in den Griff bekommen. Die meiste Zeit hat Noah geschlafen, war dazwischen aber auch interessiert, hat sogar gespielt. Er hat korrekt das Kisterl benutzt. Ganz wichtig war ihm das Essen, vor allem das Frühstück. Trotzdem war alles nach so einem Schub immer wieder ein wenig schlechter als zuvor. Er wurde taub und hat langsam Muskel abgebaut, ist langsam auch immer “fremder” geworden.


Gut eine Woche vor Weihnachten ein schwerer Schub. Die Beine haben nicht mehr wirklich gehorcht, er konnte nicht mehr auf die Bank springen, kaum mehr richtig gehen, ist immer wieder umgefallen, hat sich überhaupt nicht mehr zurechtgefunden, der Blick oft starr, und er hat auch das Kisterl nicht mehr gefunden, offensichtlich auch niemanden mehr erkannt. Wenn er aufs Kisterl mußte, hat er geschrien, wie es die Babys tun, wenn sie erstmals die Mama nicht mehr putzt. Er hat daraufhin die "Baby-Gehschule"bekommen, damit das Zurechtfinden leichter ist. Das hat ihm, gemeinsam mit viel Streicheln, wenn er wach war, geholfen. Ganz wichtig war nach wie vor das Essen

Um Silverster ein neuer Schub. Noah konnte kaum mehr stehen, die Beine wirkten starr, sie waren nicht unbeweglich nur nicht mehr lenkbar.  Wenn Noah wach wurde, hat er gerufen. Sobald man ihn dann gestreichelt hat, war wieder alles gut, er hat sichtlich zufrieden geschnurrt  bis er wieder eingeschlafen ist.

Wir haben ihm einen großen Korb gerichtet. So konnte ich ihn überall dorthin mitnehmen, wo ich mich länger aufgehalten habe. Wenn er unruhig wurde, mußte ich ja da sein. Meist hat das Streicheln genügt. Wenn die Unruhe größer war, wenn er länger gemaunzt hat, dann mußte ich ihn auf den Schoß nehmen, dann war ganz schnell alles wieder gut. Ich mußte nur immer zur Stelle sein. Er hat genau gespürt, wenn ich den Raum verlassen oder betreten habe. An seinem Miauen konnte man erkennen, ob er sich nicht ganz wohlfühlt, naß ist, oder ob er nur einfach jemanden haben will. Er hat feiner denn ja gespürt, was sich um ihn tut, und nachdem ich natürlich auf alles reagiert hab, hat sich eine ganz  neue Beziehung aufgebaut.  Je schwächer er wurde, desto mehr Nähe hat er verlangt, beim Streicheln geschnurrt, Ansätze von Treteln gezeigt, hat den Kopf zu mir gedreht, als wollte er mich anschauen, auch noch knapp vor seinem Tod. Ansonsten war sein Körper fast ganz steif. Ganz zum Schluß hat er auch aufgehört zu essen. Die letzten Stunden durfte ich keinen Augenblick weg, sobald er meine Hand nicht mehr gespürrt hat, hat er geweint. Es war ein kurzer Todeskampf. Er wollte nicht sterben, hat sich enorm gewehrt. Dann ist er ruhig geworden. Da hab ich ihn dann eine Weile allein gelassen. Ich hab gespürt, daß der Kampf vorbei ist, er dabei ist, loszulassen, und da durfte ich nicht stören. Danach hat er nochmals den Kopf nach mir gedreht, und es kam das "normale" Sterben....

Ich weiß nicht, ob ich das nochmals durchhalten würde, aber  ich bin dankbar für alles, daß er mich bis zum Ende so intensiv an seinem Leben und Sterben teilhaben ließ. Wie sehr er jetzt fehlt, das läßt sich nicht beschreiben. Es ist nichts mehr wie es war.




Noah hat uns verlassen....