Wie wir mit den Weißen begonnen haben - unsere ersten weißen Babies wurden 1995 geboren - sah man weiße Coonies ganz selten. In Österreich waren wir jahrelang die einzigen Weißzüchter. Inzwischen hat sich allerdings einiges geändert. Immer mehr Züchter beschäftigen sich mit dieser Farbe; mit ein Grund, sich hier ausführlicher mit der Problematik zu beschäftigen.

Zum verantwortungsvollen Umgang mit der Weißzucht gehört vor allem das Vermeiden von riskanten Verpaarungen wie Weiß x Weißt, Weiß x Partner mit weißen Vorfahren. Daß taube Tiere nicht in die Zucht gehören ist selbstverständlich. Dasselbe gilt aber auch für hörende Weiße, bei deren Vorfahren und Verwandten gehäuft taube Kitten gefallen sind.

Leider hat man lange Zeit der Taubheit keine oder nur wenig Bedeutung zugemessen, obwohl sie bereits vor 150 Jahren erwähnt wurde und die unterschiedlichsten Katzenrassen betrifft. Heute haben wir die Möglichkeit, jedes Tier durch einen audiometrischen Test genau auf seine Hörfähigkeit zu untersuchen, auch einseitige Taubheit kann einwandfrei festgestellt werden. Die Untersuchung kann zwar die Funktionsfähigkeit der Haarzellen nicht beurteilen, aber objektiv die beim Hörvorgang auftretenden Aktionspotentiale entlang der Hörbahn registrieren.


Sehprobleme kommt neben der Taubheit eine geringere Bedeutung zu. Sehprobleme betreffen vor allem die blauäugigen Weißen, wo durch das Fehlen des Tapetum lucidum (der das einfallende Licht reflektierenden Schicht unter der Netzhaut) die Sehschärfe und ganz besonders das Sehen in der Dämmerung in Mitleidenschaft gezogen ist. Durch die geringere Lichtempfindlichkeit sind die Pupillen immer stärker geöffnet, eine Wirkung wie beim Fotoapparat bei weit geöffneter Blende. Das bedeutet eine schwere Behinderung beim Beutefang, ist für Wohnungskatzen aber von geringerer Bedeutung.


Die Taubheit beruht auf einer Degeneration der Strukur des Innenohrs, wo die Melanozyten eine besondere Aufgabe zu erfüllen haben.


Als Hören wird das Aufnehmen von Schallreizen, die Weiterleitung der Reize durch Nerven und das Deuten dieser Reize im Gehirn verstanden.

Die Schallwellen erreichen das Hörorgan hauptsächlich über die Ohrmuschel und den äußeren Gehörgang, der am Trommelfell endet. Die Schalldruckschwankungen versetzen das Trommelfell in Schwingungen, die sich über die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboß, Steigbügel) in der Paukenhöhle auf die Membran des ovalen Fensters übertragen. Dort beginnt das Innenohr. Das Innenohr wird wegen seines komplizierten Kanalsystems auch Labyrinth genannt. Der Knochen, in den das Labyrinth eingelassen ist, wird als knöchernes Labyrinth bezeichnet. Zum knöchernen Labyrinth gehören die Schnecke (Cochlea), in die das eigentliche Hörorgan (Corti-Organ oder Spiralorgan) eingelassen ist, der Vorhof mit den Vorhofsäckchen des Gleichgewichtsorgans, die Knochenkanäle für die Bogengänge und der innere Gehörgang. Der innere Gehörgang enthält den Hör- und Gleichgewichtsnerv, den Gesichtsnerv, die Innenohrschlagader und einen Teil der Innenohrvenen.


Die Schnecke besteht aus drei übereinander liegenden Kanälen. Diese Kanäle heißen (von unten nach oben) Paukentreppe (Scala tympani), Schneckengang (Ductus cochlearis) und Vorhoftreppe (Scala vestibuli). Sie sind durch dünne Wände (Reissner-Membran und Basilarmembran) gegeneinander abgetrennt.


Im Schneckengang befindet sich das Corti-Organ, das ca. 25.000 Sinneszellen enthält, von denen jede etwa 100 Sinneshaare trägt. Hier werden die verschiedenen Frequenzen der Töne auseinandersortiert. Die Haarzellen überführen die mechanischen Tonvibrationen in elektrische Impulse, die dann durch den Hörnerv dem Gehirnstamm zugeführt werden. Hier kommen die Melanozyten mit ins Spiel.

Fehlen sie, treten nach zunächst ungestörter Entwicklung ab dem 5. Lebenstag degenerative Veränderungen auf.


Taubheit und blaue Augen

In ROBINSON'S "Genetics for Cat Breeders & Veterinarians" FOURTH EDITION wird in Bezug auf die Taubheit ein Zusammenhang zwischen Augenfarbe und Taubheit vermutet, daß blauäuige Weiße zu einem wesentlich höheren Prozentsatz Taubheit aufweisen als Tiere mit goldenen oder grünen Augen. Bei „Odd eyed", solchen mit einem blauen und einem goldenen oder grünen Auge, hat eine Studie herausgefunden, daß jene "odd eyed" Katzen, die taub waren, auf der Seite taub waren, wo sie das blaue Auge hatten.

Zu all dem gibt es allerdings inzwischen auch gegenteilige Erfahrungen.


Audiometrische Untersuchung. - Hirnstammaudiometrie (BAERs)


Vollständige Taubheit kann meist bereits durch eine Verhaltungsuntersuchung festgestellt werden. Eine sichere und objektive Meßmethode, mit deren Hilfe auch einseitige Taubheit oder Schwerhörigkeit festgestellt werden kann, ist die Messung von akustisch evozierten Potentialen. Dabei werden durch Schallreize ausgelöste und infolge der auditorischen Reizverarbeitung und Reizwahrnehmung entstehende elektische Spannungen gemessen, die an der Kopfoberfläche registriert werden können.

Die Hirnstammaudiometrie wird in der Regel unter einer leichten Sedierung durchgeführt. Zuvor werden die Tiere einer klinischen Allgemeinuntersuchung unterzogen, um die Narkosefähigkeit zu überprüfen. Die Tiere sollten gesund und in einem guten Ernährungszustand sein (Vit-BMangel kann z. B. durch seinen Einfluß auf das Nervensystem das Untersuchungsergebnis beeinflußen, ebenso Infektionen,

z. B. FIV)


Zum Zeitpunkt der Geburt ist das Gehör der Katze noch unausgereift. Katzenwelpen werden mit geschlossenem Ohrkanal geboren. Erst am 5. Lebenstag öffnet sich der äußere Gehgörgang. Akustische Reize können frühestesns am 7. Lebenstag aufgenommen werden, allerdings ist zu diesem Zeitpunkt auf Grund der unreifen Gehörklnöchelchen und des wenig elastischen Trommelfells die Hörschwelle noch extrem hoch. Auch der Frequenzbereich ist noch sehr eingeschränkt. Die Hörschwelle erreicht erst ungefähr ab dem 20. Lebenstag die Werte eines erwachsenen Tieres. Ab diesem Zeitpunkt wäre eine audiometrische Untersuchung möglich.


Im Alter von acht Wochen ist die Hörbahn der Katze fast vollständig ausgereift. Ab diesem Zeitpunkt kann die die Hirnstromaudiometrie routinemäßig eingesetzt werden.

Weißzucht Forts.