Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) isteine Herzmuskelerkrankung, bei der die Papillarmuskeln und die Wände der linken Herzkammer eine abnorme Verdickung entwickeln, so daß der "Innenraum" des Herzens verringert ist und dadurch deutlich weniger Blut durchfließen kann. Es bildet sich ein Rückstau in die Lunge. Der Druck in den Lungengefäßen und im linken Vorhof wird deutlich größer. Die Katze bekommt Atemprobleme. Manchmal kann es zu Thrombosenbildung im Vorhof kommen. Geht so ein Thrombus in die Gefäße, verursacht er eine Embolie der unteren Arterien und somit eine Lähmung der Beine. Auch Tod durch eine Hirn-Embolie ist möglich oder ein plötzlcher Herztod.


Eine Verdickung bzw. Hypertrophie des Herzmuskels kann verschiedene Ursachen haben, z.B. chron. Nierenversagen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Schilddrüsenüberfunktion. HCM tritt aber auch als primäre Erkrankung des Herzmuskels auf. Diese Form wurde bei Katzen - wie beim Menschen auch - als erblich nachgewiesen. Es handelt sich dabei um eine Genmutation, die wahrscheinlich autosomal dominant mit variabler Penetranz vererbt wird. Das heißt, nicht jeder Genträger muß auch Merkmalträger sein. Es handelt sich um eine Erkrankung, die nicht schon bei der Geburt erkennbar ist, sondern sich erst später entwickeln kann. Es können Tiere das Gen tragen und vererben, ohne daß sie jemals erkranken ober irgendeine entsprechende Veränderung am Herzen diagnostiziert werden kann. Es können bei der Vererbung daher scheinbar Generationen übersprungen werden.  


Es nehmen auch nicht alle HCM Fälle den gleichen Verlauf. Manchmal findet sich ein schneller Progreß, manchmal schreitet die Erkrankung langsam voran. Manche Katzen fallen durch erschwerte Atmung auf, andere durch ein Herzgeräusch oder durch Hinterbeinlähmung oder Schlaganfall. Manche leben ein relativ normales Leben, mit oder ohne Medikamente, andere sterben früh. Selbst in der gleichen Familie gibt es unterschiedliche Verläufe. Was genau für die Manifestation der Erkrankung verantwortlich ist, weiß man nicht genau.


So wie bei den Menschen nicht alle Familien die gleiche Mutation tragen, tragen auch nicht alle Katzenrassen die gleiche Mutation, selbst innerhalb einer Rasse können verschiedene Mutationen vorliegen. Es gibt inzwischen für Maine Coons zwar Gentests, es hat sich aber herausgestellt, daß diese Tests nur sehr bedingt Aussagekraft besitzen. Es gibt einen Test, den man zumindest einer bestimmten Familie zuordnen kann, alle weiteren Versuche kann man einstweilen vollkommen vergessen.  In seltenen Fällen kann HCM auch durch Neumutation entstehen.


HCM kommt bei allen Katzenrassen vor, Hauskatzen eingeschlossen. Die Maine Coons sind nicht häufiger von HCM betroffen, als andere Rassen auch. Warum sich gerade Maine Coon Züchter besonders intensiv mit dieser Krankheit beschäftigen, hat ihre Ursache darin, daß die Krankheit erstmals bei einer Gruppe von Maine Coons durch Dr Kittelson genauer untersucht wurde und dadurch überhaupt erst zu einem Thema für die Katzenzucht wurde.


Diagnostiziert wird HCM durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, ein Echokardiogramm. Für die Echo-Diagnostik ist wichtig, daß der Untersucher erfahren ist und daß das Gerät 2D, M-Mode und Doppler bietet. Allerdings sagt ein negatives Untersuchungsergebnis nur, daß das Tier zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Kranheitssymptome aufweist. Es bedeutet keine Garantie für die Zukunft. Das Tier kann trotzdem Genträger sein und HCM-vererben.

Dazu Dr. Wess, (Experte auf dem Gebiet der Kardiologie): "Geschallt als "HCM frei" ist natürlich immer nur eine Momentaufnahme, da sich die Krankheit auch erst später manifestieren kann."


In letzter Zeit wurde immer öfter die Erfahrung gemacht, daß positiv geschallte Tiere beim nächsten Test wieder negativ waren, eine der beiden Untersuchungen also ein falsches Ergebnis gebracht hatte. Das gilt vor allem für "grenzwertig" und "mild". Es ist daher, bevor man ernsthalte Konsequenzen zieht oder in Panik gerät, unbedingt eine Kontrolluntersuchung zu machen. Bei einem positiven Ergebnis ist dies ja auch deshalb notwendig, damit ein ev. Fortschreiten der Erkrankung rechtzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden kann.


Wird nun bei einer Katze tatsächlich HCM diagnostiziert, was dann?


Selbstverständlich darf mit einer solchen Katze nicht gezüchtet werden. Einerseits wäre dann die Wahrscheinlichkeit extrem groß, daß sie die Krankheit vererbt, andererseits wäre der Streß, der mit Trächtigkeit oder Decken verbunden ist, für ein krankes Tier unzumutbar.


Eine symptomatische Behandlung ist in der Frühphase mit ß-Blockern und Diuretika möglich, damit das Herz entlastet wird. Man hofft, daß damit auch die Vergrößerungstendenz der gesunden Herzmuskelzellen und damit das fatale Muskelwachstum verlangsamt werden. Selbst bei manifester Herzinsuffizienz gibt es noch Mittel, die auf die Krankheit hemmend wirken können.


Kriterien für die postmortale Diagnose von HCM sind vor allem das Herzmuskelgewicht, die Wanddicke ist nicht so geeignet, da sich der Herzmuskel im Tod zusammenzieht. Normale Katzenherzen wiegen weniger als 20g, ab 30g bis 40g, je nach Größe des Tieres, ist von einer HCM auszugehen.

Hypertrophe  Kardiomyopathie (HCM)