Gedanken zum Züchten

Züchten bedeutet bekanntlich nicht einfach zwei Tiere derselben Rasse miteinander zu verpaaren. Auch aus der Verpaarung zweier erfolgreicher Ausstellungstiere geht nicht unbedingt ein Tier mit perfekten Rassemerkmalen hervor.

Gründliches Stammbaumstudium, ein möglichst breites genetisches Wissen, das sich nicht nur auf Farbgenetik beschränkt, ständige Weiterbildung in Bezug auf Gesundheitsvorsorge all das ist Voraussetzung um verantwortungsvoll züchten zu können. Die Liebe zu den Tieren und die Sorge um ihr Wohl muß natürlich über allem stehen, auch über jedem menschlichen Ehrgeiz.


Auf unseren heutigen Ausstellungen begegnet man oft vielen Tieren mit einem erstaunlich einheitlichen Typ, je nach Clubzugehörigkeit meist entweder dem sog. Feraltyp, dem wildaussehenden, oder einem etwas moderateren, der zwar etwas langgetreckter ist und größere Ohren hat als die original "mains", diesen aber wahrscheinlich am nächsten kommt. So war es natürlich nicht immer.

Am Beginn der gezielten Maine Coon-Zucht standen sehr verschiedene Tiere, gesund, robust, mit sehr verschiedenen Vorfahren. Das war vor Jahrzehnten, als die Rasse anerkannt wurde. Es wurde ein Rassestandard erarbeitet und Zuchtziel war natürlich ein bestimmtes Maß an Einheitlichkeit. Erst sie macht die Rasse zu etwas Unverwechselbarem.

In Amerika gibt es große Unterschiede: Die Coonies der Westküste sind nicht so groß und stehen auf niedrigeren Beinen, die texanischen haben teilweise extrem lange Köpfe und stehen auf hohen Beinen. In den USA vertritt man den Standpunkt, man müsse diese Unterschiede respektieren, da es sich um eine natürliche Rasse handelt. Alle Varianten haben aber dem Standard zu entsprechen.

Mit Hilfe von zum Teil durch Generationen durchgeführter enger Linienzucht (Inzucht), verbunden mit der Selektion auf den gewünschten Typ, wurden im Hinblick auf rassespezifische Einheitlichkeit beachtliche Fortschritte erzielt. Weil aber Richter auf Ausstellungen oft einen ganz bestimmten Typ bevorzugen, führte der Ehrgeiz von Züchtern dazu, daß die Selektion oft sehr einseitig betrieben wurde und dabei auf das Wichtigste vergessen wurde: die Maine Coons müssen eine gesunde Rasse bleiben, echte "working cats", die im Idealfall imstande wären, in der freien Natur auch ohne menschliche Hilfe zu überleben.

Verantwortungsbewußte Züchter bemühen sich nun, diesem Trend entgegenzuwirken. Dabei geht es nicht nur um jene erblich bedingte Mißbildungen und Schäden, wie sie in der Erbmasse aller Rassen vorhanden sind und die durch enge Zucht sicher häufiger wurden, es geht auch darum, den Genpool wieder zu erweitern. Eine Reduktion des Genpools bedeutet nämlich auch eine Schwächung des Immunsystems und zusätzlich eine wesentlich erhöhte Gefahr, daß durch Mutationen neue Defekte auftreten und weitervererbt werden. Um den Genpool zu erweitern wurden in den letzten Jahren sehr häufig neue "Foundations" eingekreuzt (das sind Tiere, die nicht mit den Stammbaum-Maine Conns verwandt, ihnen im Aussehen aber sehr ähnlich sind; meist Bauernkatzen aus Maine oder Canada). Leider sind "Foundations" inzwischen "Mode" und ein gutes "Geschäft" geworden. Das bedeutet, daß sehr häufig "was drauf steht nicht wirklich drinn ist". Nur wenige Züchter sind "echte" Foundationzüchter mit den richtigen Tieren und dem entsprechenden Wissen! Um einen größeren Genpool zu erhalten, müssen aber nicht unbedingt Foundations eingeführt werden. Auch bei unseren registrierten Tieren ändert sich die Erbmasse ständig, es gibt bei der Weitergabe der Gene ja fast unendlich viele Variationsmöglichkeiten. Auch ohne Foundations gibt es noch ausreichend Möglichkeiten innerhalb der Rasse. Man muß nur die Stammbäume entsprechend studieren.

immer wieder findet man Angaben über ...% Inzucht, ...% Clones etc.. Die praktische Bedeutung dieser Zahlen ist wesentlich geringer, als von vielen angenommen wird. Wesentlich wichtiger ist es, über die Vorfahren der letzten Generationen wirklich genau Bescheid zu wissen, deren Schwächen und Stärken. Selbst mehrere Generationen zu haben hat natürlich auch noch den ganz besonderen Reiz, daß ganz genau beobachten kann, wie sich bestimmte Eigenschaften vererben.

Alle verfügbaren Gesundheitstests für seine Zuchttiere zu nutzen, sollte für jeden Züchter selbstverständlich sein. (siehe Gesundheit/Tests)


Das sind nur einige Gedanken ohne Anspruch auf Vollständigkeit.